Presse

Firmenchef gibt Afrika-Projekt Vorrang

  • Roland Ketterer zieht sich aus Handwerksbetrieb zurück
  • Aufbau einer Gewerbeschule in Tansania im Fokus
  • Michael Amma übernimmt alleinige Verantwortung

Von Jürgen Müller

Pfohren – Vor 35 Jahren hat Roland Ketterer den von seinem Urgroßvater Mathäus 1850 als Schlosserei ins Leben gerufenen Betrieb von seinem Vater Mathäus übernommen. Jetzt zieht sich der 61-jährige Handwerker mit Leib und Seele etwas überraschend zurück, um sich nach eigenen Aussagen ganz seinem Hobby widmen zu können.

Allerdings ist dieses Hobby weder sportlicher noch gesellschaftlicher Natur: Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich der Gas- und Wasserinstallateurmeister bei Trinkwasserprojekten in Afrika, genauer gesagt im Südwesten Tansanias.

2013 gründete der Pfohrener zusammen mit fünf Mitstreitern den Verein „Elimu4Afrika“ und ist seitdem als Vorsitzender die treibende Kraft. Inzwischen unterstützen mehr als 130 Mitglieder und zahlreiche Sponsoren das soziale Engagement.

Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das jüngste Projekt der Bau einer Gewerbeschule in der 10 000-Einwohner-Stadt Chala, in der im Endausbau bis zu 150 Mädchen und Jungen zum Installateur für Wasser und Solar ausgebildet werden können.

Mehrfache Einsätze in Tansania

„Ich möchte mich ganz darauf konzentrieren, zumal die Arbeiten in eine entscheidende Phase gehen“, betont Roland Ketterer. „Ich werde in diesem Jahr mehrere Male über einen längeren Zeitraum vor Ort sein und den Aufbau einer modernen Kläranlage in der Schule durch heimische Arbeitskräfte betreuen.“

In seinem Handwerksbetrieb, der sich seit 15 Jahren auf den Bau und die Sanierung von Bädern, regenerativen Heizungssystemen und Photovoltaikanlagen konzentriert, hat Roland Ketterer rechtzeitig die Weichen für einen eventuellen Ausstieg gestellt.

Nachfolge ist schon geklärt

Michael Amma, der seit mehr als 20 Jahren im Geschäft ist, 1999/2000 seinen Meister machte und vor sechs Jahren als Geschäftsführer einstieg, übernimmt seit diesem Jahr die alleinige Verantwortung für den Betrieb und die momentan elf Mitarbeiter – auch als neuer Inhaber.

Ein Glücksfall für jedes Unternehmen. „Michael hat den Laden schon in den letzten Jahren geschmissen, als ich unterwegs war“, so Ketterer. „Ich bin ganz sicher, dass er das Unternehmen in meinem Sinne weiterführt.“ Der Ex-Chef wird allerdings für eine Übergangszeit laufende Objekte weiter betreuen.

Schon immer hat sich Roland Ketterer zum afrikanischen Kontinent hingezogen gefühlt und der in Tansania verbreiteten Weisheit „Antworte dem, der dich ruft“, fühlte er sich von Anfang an verbunden. Der endgültige Anstoß für sein Engagement in Afrika kam über den damaligen Pfarrer Stefan Bäumle zustande, der seinem Amtsbruder Anselmo Kashatila in Rom begegnete. Er lud den Geistlichen aus dem tansanischen Bistum Sumbawanga nach Pfohren ein und stellte den Kontakt zur Familie Ketterer her. Das war der Auftakt zu zahlreichen Hilfsaktionen.

„In der Region gibt es zwar Maurer, Mechaniker und Elektriker, aber kaum Handwerker, die sich mit Trinkwasser auskennen“, erinnert sich Roland Ketterer an die Anfänge. Noch vor der Gründung des Vereins errichtete der Handwerksmeister den ersten Trinkwasserbrunnen Chalas.

Damit aber nicht genug: Um die elektrische Versorgung der Brunnen zu gewährleisten, installierte der gelernte Solarteur entsprechende Solarmodule. Für dieses wegweisende Projekt bekam der Unternehmer 2011 den LEA-Mittelstandspreis (Leistung, Engagement, Anerkennung) für soziale Verantwortung in Baden Württemberg.

Die neue Gewerbeschule ist ein ganz anderes Kaliber: Von den insgesamt 300 000 veranschlagten Euro sind inzwischen 160 000 verbaut und dabei ist viel Schweiß geflossen. Sobald die Gebäude fertig sind, werden die ersten 50 Mädchen und Jungen ausgebildet.

Der Unterricht soll mit deutschen Lehrkräften – Handwerksmeister und Gewerbeschullehrer – ins Rollen gebracht werden und parallel dazu sollen Einheimische eingelernt werden. „Ende des Monats werden ich zusammen mit Frieder Milse nach Tansania fliegen und wir werden uns vor Ort ein Bild vom Baufortgang machen“, freut sich der umtriebige Frührentner.

Interview

Der Weg zum Chefposten war für Michael Amma vorgegeben

Michael Amma (43 Jahre alt, verheiratet, ein zehnjähriger Sohn), stammt aus Leipferdingen. Nach seiner Ausbildung als Gas-, Wasserinstallateur kam er 1996 zur Firma Roland Ketterer GmbH, Bäder und Wärme, nach Pfohren.

Haben Sie vor 20 Jahren schon daran gedacht, dass Sie den Betrieb einmal übernehmen würden?

Mir war von vornherein klar, dass ich den Meister machen werde. Alles andere hat sich nach und nach entwickelt. Zuerst kleinere Beteiligungen und vor sechs Jahren der Einstieg als Geschäftsführer. Natürlich haben wir den jetzigen Übergang rechtzeitig abgesprochen.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Betriebs?

Roland Ketterer hat einen grundsoliden Handwerksbetrieb aufgestellt. Die Strukturen mit Büro, Ausstellung und einem umfassenden Service sind optimal. Auch die Ausrichtung auf Bäder, mit einem Anteil von 80 Prozent, und nur noch regenerativen Heizsystemen passt. Wir haben rund 3500 zufriedene Stammkunden, das ist eine Auszeichung für den Betrieb. Das wichtigste aber sind die Mitarbeiter: Wir können auf elf langjährige, motivierte und engagierte Mitarbeiter bauen.

Werden Sie eigene, neue Ideen einbringen?

Das wird sich mit der Zeit von selbst ergeben. Momentan sehe ich keinen Handlungsbedarf. Der Betrieb läuft bestens und ich bin auch für die Zukunft optimistisch.

FRAGEN: JÜRGEN MÜLLER